Von der Redaktion spielwissen.de · Chefredakteur: Nils Nolte Zuletzt aktualisiert: April 2026
Verantwortungsvolles Spielen
Glücksspiel kann für die meisten Menschen eine gelegentliche Freizeitbeschäftigung bleiben. Für einen Teil der Spielerinnen und Spieler entwickelt es sich zu einem ernsthaften Problem. Diese Seite erklärt, was Spielsucht ist, woran man sie erkennt und wo es Hilfe gibt.
Wenn Sie oder jemand in Ihrem Umfeld sofort Unterstützung sucht:
BZgA-Telefonberatung: 0800 137 27 00 Kostenlos · Anonym · Täglich 10–22 Uhr
Was ist Spielsucht?
Spielsucht — in der Fachsprache „Glücksspielstörung“ — ist eine anerkannte psychische Erkrankung. Sie ist im internationalen Diagnosesystem ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert und wird von Suchtfachleuten und der medizinischen Forschung als behandlungsbedürftige Abhängigkeitserkrankung eingestuft.
Das Kennzeichen einer Glücksspielstörung ist nicht die Häufigkeit des Spielens, sondern der Kontrollverlust: Betroffene können das Spielen nicht mehr eigenständig steuern, obwohl es zu erheblichen Konsequenzen im persönlichen, beruflichen oder finanziellen Bereich geführt hat oder führt.
Glücksspielsucht entsteht nicht durch mangelnde Willenskraft. Neurowissenschaftliche Forschung zeigt, dass Glücksspiel bei manchen Menschen ähnliche Mechanismen im Belohnungssystem des Gehirns aktiviert wie Substanzabhängigkeiten. Wer betroffen ist, braucht Unterstützung — keine Bewertung.
Nach Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigen in Deutschland rund 1,3 Prozent der Erwachsenen Anzeichen einer problematischen Glücksspielteilnahme. Weitere 3,2 Prozent gelten als Risikospieler. Das sind keine kleinen Zahlen.
Warnsignale erkennen
Problematisches Spielverhalten entwickelt sich oft schrittweise. Die folgenden Anzeichen können darauf hindeuten, dass Glücksspiel die Kontrolle übernimmt. Sie müssen nicht alle zutreffen — bereits mehrere dieser Punkte können ein Hinweis sein.
Gedanken und innere Haltung
- Glücksspiel nimmt einen immer größeren Teil der Gedanken ein — auch außerhalb des Spielens
- Verluste werden als Unrecht erlebt, das durch weiteres Spielen „wiedergutgemacht“ werden muss
- Gewinn- und Verlustphasen werden stark rationalisiert: „Diesmal wird es anders“
- Das Aufhören fühlt sich unmöglich an, obwohl man es sich vornimmt
Spielverhalten
- Die Einsätze werden im Laufe der Zeit gesteigert, um die gleiche Intensität zu erleben
- Spielgrenzen werden regelmäßig überschritten — zeitlich oder finanziell
- Versuche, das Spielen einzuschränken oder zu stoppen, scheitern wiederholt
- Spielen wird als Weg genutzt, um schlechten Gefühlen, Stress oder Problemen zu entkommen
Auswirkungen im Alltag
- Finanzielle Schwierigkeiten durch Spielverluste: Schulden, Anleihen, Verschieben von Rechnungen
- Lügen gegenüber Angehörigen über das Ausmaß des Spielens
- Vernachlässigung von Arbeit, Ausbildung, Familie oder sozialen Kontakten
- Illegale Handlungen zur Beschaffung von Spielgeld werden erwogen oder begangen
Wenn Sie mehrere dieser Punkte bei sich oder einer nahestehenden Person erkennen, ist professionelle Unterstützung ein sinnvoller nächster Schritt. Das ist keine Schwäche — es ist eine informierte Entscheidung.
Selbsteinschätzung
Wer unsicher ist, ob das eigene Spielverhalten problematisch ist, kann standardisierte Selbsttests nutzen, die von Suchtforschungsinstitutionen entwickelt wurden.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet unter www.check-dein-spiel.de einen kostenlosen, anonymen Selbsttest an. Er basiert auf wissenschaftlich validierten Skalen und gibt eine erste Einschätzung, ob professionelle Beratung sinnvoll sein könnte.
Der Test ersetzt keine Diagnose. Er kann aber ein nützlicher erster Schritt sein, um das eigene Verhalten einzuordnen.
Selbstausschluss und Spielsperren
Wer das eigene Spielverhalten einschränken oder ganz stoppen möchte, hat in Deutschland rechtlich verankerte Möglichkeiten dazu. Seit der Reform des Glücksspielstaatsvertrags 2021 ist ein bundesweites Sperrsystem gesetzlich vorgeschrieben.
LUGAS — das übergreifende Sperrsystem
LUGAS (Limitierungs- und Selbstsperrungssystem) ist das zentrale System, über das in Deutschland Spielersperren für lizenzierte Online-Glücksspielangebote verwaltet werden. Es verbindet alle lizenzierten Anbieter und stellt sicher, dass eine Sperre auf einer Plattform auch bei anderen lizenzierten Anbietern wirksam ist.
Eine Selbstsperre über LUGAS kann online, unbürokratisch und dauerhaft eingerichtet werden. Wer sich sperren lässt, darf bei keinem lizenzierten Anbieter in Deutschland mehr spielen, solange die Sperre aktiv ist. Die Mindestdauer beträgt ein Jahr.
Informationen zur Einrichtung einer LUGAS-Sperre finden sich direkt beim Anbieter sowie über die offizielle Informationsseite der zuständigen Behörde.
OASIS — Sperre für Spielhallen und Casinos
Für stationäre Spielhallen und Spielbanken gibt es das Sperrsystem OASIS, das von den Landesbehörden betrieben wird. Wer sich vom Besuch stationärer Glücksspielstätten ausschließen möchte, kann dies über OASIS tun. Die Sperre gilt bundesweit für alle angeschlossenen Spielhallen und Casinos.
OASIS und LUGAS sind separate Systeme. Eine Sperre im einen System gilt nicht automatisch auch im anderen. Wer sowohl online als auch stationär gesperrt sein möchte, muss beide Systeme nutzen.
Einzahlungs- und Einsatzlimits
Unabhängig von einer vollständigen Sperre sind lizenzierte Anbieter in Deutschland gesetzlich verpflichtet, Einzahlungs- und Einsatzlimits anzubieten. Spielerinnen und Spieler können diese Limits jederzeit absenken — eine Erhöhung ist dagegen erst nach einer gesetzlich vorgeschriebenen Bedenkzeit möglich.
Hilfsangebote und Beratungsstellen
Professionelle Hilfe bei Glücksspielproblemen ist in Deutschland kostenlos und anonym zugänglich. Die folgenden Stellen bieten Beratung für Betroffene und Angehörige.
BZgA — Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Telefonberatung: 0800 137 27 00 Kostenlos · Anonym · Täglich 10–22 Uhr
Die Telefonberatung der BZgA ist die erste Anlaufstelle für alle Fragen rund um Glücksspielprobleme. Die Mitarbeitenden sind speziell ausgebildet und können bei der Suche nach lokalen Beratungsstellen helfen. Online: www.bzga.de
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung — Online-Beratung Wer lieber schriftlich kommuniziert, kann die kostenlose Online-Beratung der BZgA nutzen. Sie ist anonym, zeitlich flexibel und wird von geschultem Fachpersonal beantwortet. Online: www.check-dein-spiel.de
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) Die DHS ist der Dachverband der Suchtberatungsstellen in Deutschland und bietet eine umfangreiche Suche nach lokalen Beratungsstellen in der Nähe des eigenen Wohnorts. Online: www.dhs.de
Caritas und Diakonie Caritas und Diakonie betreiben in ganz Deutschland Sucht- und Glücksspielberatungsstellen. Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und richtet sich auch an Angehörige. Caritas: www.caritas.de · Diakonie: www.diakonie.de
Schutz für Minderjährige
Glücksspiel ist in Deutschland ab 18 Jahren erlaubt. Die Teilnahme von Minderjährigen an Glücksspielen — sowohl in Spielhallen als auch online — ist verboten.
Lizenzierte Online-Anbieter sind gesetzlich verpflichtet, das Alter ihrer Nutzerinnen und Nutzer zu verifizieren, bevor ein Konto eröffnet oder eine Einzahlung getätigt werden kann. Das Verfahren muss zuverlässig sein und wird von den Aufsichtsbehörden überprüft.
Wenn Sie Kinder oder Jugendliche im Haushalt haben:
Sprechen Sie offen über Glücksspiel und seine Risiken. Studien zeigen, dass Glücksspielprobleme häufig im frühen Erwachsenenalter beginnen — Prävention im Jugendalter ist wirksam. Die BZgA bietet unter www.bzga.de Materialien für Eltern und pädagogische Fachkräfte an.
Technische Schutzmaßnahmen wie Jugendschutzfilter können den Zugang zu Glücksspielseiten einschränken, ersetzen aber nicht das Gespräch.
Alle Inhalte auf spielwissen.de richten sich ausschließlich an Personen ab 18 Jahren.
Quellen und weiterführende Informationen
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Glücksspielsucht. www.bzga.de Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Glücksspiel. www.dhs.de Weltgesundheitsorganisation (WHO): ICD-11, Klassifikation der Glücksspielstörung. www.who.int Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): Spielerschutz. www.gluecksspielbehörde.de Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021), §§ 6–8 Spielerschutz.